Ein Kleiner für alle Fälle

CLEVER UND SMART Der VW T-Cross ist ein unaufgeregt aufregendes Mini-SUV mit hohem Funfaktor. Ein Crossover eher für die Stadt als die Steppe.

Bei VW rechnet man damit, dass bis 2025 jeder zweite verkaufte Neuwagen aus dem eigenen Haus ein SUV ist. Heute ist es je-der Fünfte. Entsprechend mächtig ist die Flotte, die VW aufstellt. Das sind T-Cross, T-Roc, Tiguan, Touareg, in China gibt es ausserdem Tharu, Tayron und Theramont und in den USA – nicht mit T beginnend – den Atlas. Am lüpfigsten spielt die Musik derzeit in der Kategorie der kleinen SUVs. Um an diesem «Concours Eurovision de la Choisisson» mitunter die erste Geige zu spielen, schickt VW den T-Cross in den Wettbewerb. Nicht dass bisherige Polo-Kunden noch zur Konkurrenz abwandern! Mit seinen 4.11 Metern in der Länge, basierend auf der MQB-A0-Plattform, ist er das kleinste SUV aus dem Hause VW. Gemacht ist der T-Cross, auch Polo-SUV genannt, nicht vorab für Hobby-Crocodile-Dundees und Hobby-Indiana-Joneses, deren Abenteuerspielplatz die Prärie und der Dschungel sind. Nein, viel mehr ist er für Stadtbewohner ersonnen und gebaut, aufgeschlossene, unternehmungslustige Menschen, gerne auch mit Kindern. Der T-Cross ist gegenüber dem Tiguan (4.43 m) 32 Zentimeter kürzer und 5.4 Zentimeter länger als der Polo. Der Radstand ist mit 2.56 Metern identisch mit dem des Polo, in der Hö-he überragt der T-Cross den Polo um elf Zentimeter. Hinten gibt es viel Platz für Kinder und/oder Gepäck. Der Kofferraum fasst 385 Liter. Klappt man die Rückbank und auch die Rückenlehne des Vordersitzes um, so ergibt sich ein Gesamtladeraum von 1281 Litern, ein stattlicher Wert. Die Ladekante liegt 72 Zentimeter über Mutter Erde – das passt. Das Mehrgewicht gegenüber dem Polo liegt bei gerade einmal 100 Kilogramm.
Optisch ist die Abstammung des T-Cross unverwechselbar. Die Front erinnert an die grossen Brüder Tiguan und Touareg. Ganz besonders mit dem optionalen R-Line-Exterieurpaket. Die Heckpartie ist geprägt von einem durchgehenden Reflektorband, das in einer schwarzen Hochglanzleiste integriert ist. Das sieht ein bisschen wie bei Porsche aus, in dieser Konfiguration findet man das so bei keinem anderen VW-Model. Die schwarzen Dachkantenspoiler gibt es ab Werk.

Gemacht für die Stadt
Neben der 95-PS-Variante gibt es den 1.0-Liter für den T-Cross mit 115 PS. Der 1.6 TDI als einziger Diesel – natürlich mit SCR-Kat und Adblue-Ein-spritzung im Programm – leistet 95 PS. Fünf- und Sechsgang-Handschaltung gibt es genauso wie Sie-bengang-Doppelkupplungsgetriebe. Da der ID Crozz als Kompakt-SUV mit E-Motor bei VW schon in der Serienentwicklung und für 2022 terminiert ist, brauchten sich die Ingenieure des T-Cross nicht wirklich um Hybrid- oder Elektrovarianten zu kümmern. Das ist positiv für den Preis, der bei 20 850 Franken startet, aber sehr schnell in die Höhe jagt. Was nicht drinliegt, ist Allradantrieb. Die Plattform, auf der der T-Cross basiert, ist zu klein für zusätzliche Antriebswellen. Allein, das dürfte dem anvisierten Zielpublikum egal sein, weil es sich ja eben nicht um ein Auto handelt, mit dem man die Ica-Wüste in Peru durchqueren will, um in Huacachina die Fauna und Flora zu erforschen. Der T-Cross soll ein pfiffiger, bezahlbarer Kleinwagen für ein fashionables und spontanes Volk sein – und das ist er auch. Seine Konkurrenten heissen in dem Sinn Fiat 500X, Seat Arona oder Kia Stonic.
Da das Fahrzeug auf dem erwähnten modularen Querbaukasten des Konzerns basiert, sind vie-le elektronische Extras und Assistenzsysteme bestellbar. Serienmässig hat der T-Cross das Umfeldbeobachtungssystem samt Fussgängererkennung und City-Notbremsfunktion, den Spurhalteassistenten, den Berganfahrassistenten sowie das pro-aktive Insassenschutzsystem an Bord. Letzteres schliesst bei Unfallgefahr automatisch Fenster und Schiebedach, strafft die Gurte und baut Brems-druck auf. Ausserdem gibt es Spurwechselassistent und den damit verbundene Ausparkassistenten. Optional erhältlich sind Müdigkeitserkennung, der Parklenkassistent sowie die radarsensorgesteuerte automatische Abstandsregelung. Alles Supportsysteme, die just im Zentrum oder in der Peripherie einer Stadt sinnvoll sind – da, wo der T-Cross sein Revier hat. Für die angepeilte, junge Klientel stehen serienmässig vier USB-Anschlüsse und ei-ne Fläche zum kabellosen Laden des Smartphones zur Verfügung. Freilich wird Letzteres heutzutage definitiv auch vom Mittelalter unter den VW Fahrerinnen und -Fahrern geschätzt. Serienmässig ist da ein 8-Zoll-Touchscreendisplay. Das optionale Active-Info-Display im Testwagen weist mit 10.25 Zoll die gleiche Dimension auf wie im Polo (im Golf misst es 11.2 Zoll). Die Bedienbarkeit der Bordsysteme ist ganz VW-like erstklassig und geht locker von der Hand. Die Sitze stammen aus dem T-Roc und sind bequem. Und – ganz wichtig – die Sitzposition ist ein Stockwerk höher als beim Polo.

Gemütlich, mehr nicht
Was freilich das Temperament angeht, so hält sich der Spass in Grenzen. Der T-Cross ist grundsätzlich tendenziell aufregend unaufgeregt. Das verhält sich dann etwa so wie ein Zebra auf der Kuhweide – aufregend anders und doch ziemlich unaufgeregt. Der Antrieb ist souverän, aber nicht wirklich spritzig. Da hilft auch Aktionismus am Schaltknüppel respektive an den Paddles wenig. Sexy, prickelnd und von innen heraus zum hemmungslosen Jodeln und Frohlocken am Steuer fühlt sich anders an. Auch wenn wir hier nicht von einem Supersportler schreiben, Fahrfreude in diesem 115-PS-Auto hat etwas von Knoblauch – die einen mögens, die anderen weniger. Dem einen reicht der pragmatische Ansatz – «Hauptsache, das Ding rollt komfortabel von A nach B» – völlig. Und das tut es zweifellos, was will man in der Stadt schliesslich? Andere bevorzugen eine etwas höher im Blut stehende Kraftquelle unter dem Sattel. Allein was die Federung angeht, so macht das das Mini-SUV sehr gut, und auch bei der Lenkung kann der T-Cross mit direktem Ansprechverhalten punkten. Was den Verbrauch angeht, so sind die wenig furchteinflössenden Motoren keine grossen Säufer und kommen locker unter sechs Litern durch.

Grosse Sicherheit
Der T-Cross ist, wie gesagt, serienmässig mit zahreichen Fahrerassistenzsystemen ausgestattet, die die Gefahr einer Kollision minimieren und die bis anhin den grossen Brüdern vorbehalten waren. Kommt es dennoch einmal zum Ernstfall, ist man im T-Cross sehr gut aufgehoben. Euro-NCAP stellt in umfangreichen Testverfahren die häufigsten Unfallszenarien nach. Dazu gehören etwa der Frontalcrash auf eine Aluminiumbarriere bei 64 km/h und 40-prozentiger Überdeckung, der Seitenaufprall bei 50 km/h oder ein Pfahl-Seitenaufprall bei 32 km/h. Der T-Cross schnitt dabei in allen Kategorien hervorragend ab. So erzielte er zum Beispiel im Bereich «Insassenschutz für Erwachse-ne» einen Erfüllungsgrad von 97 Prozent. Ein Wert, der aufzeigt, dass die kleinen ihren grössern SUV-Brüdern, Schwestern und Tanten in nichts nachstehen. Die hohe Kindersicherheitsbewertung mit 86 Prozent unterstreicht die Familientauglichkeit des smarten Mini-SUVs und streicht diese als eine der ganz grossen Stärken heraus.


FAZIT – Michael Schenk, Tester

VW-Markenchef Ralf Brandstätter wollte mit dem T-Cross Gegensätze unter einen Hut bringen. Obwohl er von VW kommt, sollte er sich cool und hip geben. Und obwohl er klein ist, sollte er praktisch sein. Dieses Ziel hat VW mit dem Polo-SUV, wie er auch genannt wird, absolut erreicht. Dass der T-Cross auf dem Polo basiert, ist von aussen trotz gleicher Position von Motor und Achsen schwerer erkennbar als im Inneren. Im Cockpit guckt man auf die gleichen Instrumente wie im Polo, es steht einem das gleiche Infotainment zur Verfügung, und man greift zu identischen Schaltern. Das Terrain, auf dem sich der T-Cross bewegt, ist nicht leicht zu erobern. Da ist harte Konkurrenz zum Teil aus dem eigenen Haus, der etwas kleinere Seat Arona oder der etwas grössere Škoda Kamiq zum Beispiel. Aber auch Renault Captur, Peugeot 2008, Kia Stonic, Opel Crossland oder Citroën C3 Aircross melden ihre Ansprüche an. Allein mit dem Stammbaum, den der T-Cross mitbringt, ist er als hippes Auto für junge Familien und praktisches Automobil für ältere Leute, die gerne hoch sitzen, gut aufgestellt. Preislich liegen der Polo und T-Cross nah beeinander – insofern dürfte der Polo allerdings künftig vor allem als Flottenauto noch seine Fans finden.