Natürlich Amweg

BERG-SM Der Gurnigel ist ein Amweg-Berg. 21 Jahre nach Fredy Amwegs letztem Erfolg gewann dessen Sohn Thomas.

Nein, nicht Wettergott Petrus habe beim 50-Jahr-Jubiläum des Gurnigel-Bergrennens die Finger im Spiel gehabt, sondern der Klimawandel. Dieser habe, behaupteten böse Zungen am Sonntag, mit wechselnden Wetterbedingungen den Rennaus-gang beeinflusst. Es war kurz nach halb Vier, als Thomas Amweg nach seinem zweiten und letzten Lauf erste Gratulationen zum Gesamtsieg beim Berner Klassiker entgegennahm. «Nein, nein, geduldet euch noch, Schnellmann steht noch unten. Der hat im ersten Lauf nur rund sechs Sekunden auf mich verloren.» Der Formel-3000-Pilot Am-weg hatte Roger Schnellmann, den schnellsten Tourenwagenfahrer, noch nicht abgeschrieben, weil die 3.7 Kilometer lange Strecke nach einem kurzen Regen- und Hagelschauer schnell abtrocknete. Schnellmann verlor im zweiten Lauf tatsächlich nur noch eine Sekunde auf Amweg, zum Tagessieg reichte es dennoch nicht. «Der Wetterumschwung hat uns unten am Start schon zu ein paar Rechenspielchen verleitet», verriet Schnellmann nach der Zieldurchfahrt mit einem Schmunzeln. Dass es ihm nicht zum Gesamtsieg reichte, störte den Schwyzer aber keinesfalls: «Geil! Es ist eine Ehre für mich, dass ich mit aufs Podium darf.» Um Viertel nach Vier nahm Amweg gerne – und endlich mit Gewissheit – die Gratulationen zu seinem ersten Gesamtsieg bei einem nationalen Bergrennen entgegen: «Wahnsinn! Ich kann es noch gar nicht richtig glauben.» Dabei haben Am-weg-Erfolge am Gurnigel doch Tradition. Fredy Amweg ist der Gurnigel-König schlechthin, der Vater von Thomas feierte zwischen 1973 und 1998 beim Berner Rennklassiker 20 Gesamtsiege. Der erste Lauf sei dank der Abstimmung seines Autos gelungen, meinte Amweg jun. nach seinem Exploit. «Das Schwierigste war es aber, dieses Resultat im zweiten Lauf zu bestätigen. Denn mit einem guten Lauf allein gewinnst du nicht.»

Überraschender Zweiter: Roger Schnellmann in seinem Mitsubishi Evo8 J-Spec.
Zwei Gurnigel-Legenden: Jürg Dürig in seinem BMW 635 mit «Automobil Revue»-Logo.

Handicapierte Berg-Dominatoren
Das wissen auch Eric Berguerand und Marcel Steiner nur zu gut, haben der Walliser und der Berner doch am Gurnigel die letzten Jahre dominiert. Berguerand, der hier bisher sieben Gesamtsiege fei-erte, wurde hinter Amweg und Schnellmann Dritter, vor dem fünffachen Gurnigel-Gewinner Steiner. «Ich hatte Wetterpech», meinte Steiner, der die Niederlage auf der Heimstrecke sportlich nahm. «Als ich den ersten Lauf beendet hatte, gab es we-gen des Regens einen Unterbruch, was für die Menge Wasser auf der Strecke spricht. Für den zweiten Start hatte ich profillose Reifen aufgezogen – ehe das Wetter wieder umschlug.» Berguerand hatte beim ersten Lauf noch mehr Sorgen: «Im zweiten Streckenteil konnte ich wegen eines Elektronikproblems nicht mehr schalten.» Deshalb lagen die beiden Dominatoren der laufenden Berg-SM vor der Entscheidung schon deutlich hinter dem späteren Sieger Amweg zurück: Steiner mit 6.65, Berguerand mit 8.37 Sekunden Rückstand. Damit steht der Walliser vor dem abschliessen-den Bergrennen in Les Paccots FR diesen Sonntag als Schweizer Meister fest – zum fünften Mal nach 2013, 2014, 2015 und 2016. Bei den Tourenwagen steht der Meister mit Andy Feigenwinter ebenso fest: Der könnte rein rechnerisch zwar noch von Schnellmann eingeholt werden, dieser ist beim Finale aber nicht dabei. Demnach steht noch die Entscheidung im Bergpokal (Autos bis 2.0 Liter) aus. Der letzte Konkurrent stammt wie Titelverteidiger Martin Bürki aus Uetendorf BE: Philipp Krebs, der Gesamterste des Renault Classic Cups.

Ohrenbetäubende Klassiker
Mit kleineren Ambitionen fuhren beim Gurnigel-Jubiläum auch Rennlegenden mit, darunter Jürg Dürig, der Schweizer Meister von 1979 und 1981: «Wir hatten sehr viel Spass, das Echo der Fans war gewaltig. Ich musste bei meinem Heimrennen wie-der einmal viele Autogramme geben». Wohl auch, weil die klassischen Rennwagen nicht nur atemberaubend schön, sondern auch ohrenbetäubend laut waren: «Mein BMW 635 und der BMW M1 von Michael Kammermann waren im ganzen Teilnehmerfeld die lautesten», schmunzelte Dürig.